Nebra an der Unstrut,
der Fundort der Himmelsscheibe

Die Himmelsscheibe von Nebra

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In Sachsen-Anhalt, im Burgenlandkreis, liegt die kleine Ortschaft Nebra, die zum Gemeindeverband Unstruttal gehört. Bereits im Jahr 876 wurde sie erstmalig urkundlich erwähnt und ist seit dem 12. Jahrhundert Stadt. Erst im 21. Jahrhundert erlangte sie jedoch Berühmtheit, als sich herausstellte, dass die Himmelsscheibe in der Nähe auf dem Mittelberg gefunden wurde. Es handelt sich um eine ca. 4000 Jahre alte und über 2 kg schwere Bronzeplatte, mit der schon in der Bronzezeit hier Astronomie betrieben wurde, um den Bauern einen Kalender zur Bestimmung des Aussaatstermins und der Erntezeit zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 2013 wurde die Himmelsscheibe von Nebra zum Weltdokumentenerbe der UNESCO erklärt. Das Original befindet sich im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale. Der Fundort auf dem Mittelberg ist heute mit einer glänzenden Metallplatte markiert, die Himmelsauge genannt wird. Fundort der Himmelsscheibe von Nebra

Aussichtsturm auf dem Mittelberg bei Nebra Auf dem Gipfel des Mittelberges bei Nebra befindet sich ein Aussichtsturm, der einen herrlichen Rundblick über die Gegend und den Fundort der Himmelsscheibe bietet.

Anscheinend wurde er vor Erfindung der Wasserwaage gebaut! Über die Gestaltung des Schiefen Turms von Nebra kann man sich natürlich streiten.
Fundort der Himmelsscheibe vom Mittelbergturm bei Nebra gesehen

Aussicht vom Mittelberg bei Nebra Links Nebra, rechts das Informationszentrum Arche Fundort der Himmelsscheibe vom Aussichtsturm gesehen

Das Treppenhaus des futuristisch gestalteten zweigeteilten Aussichtsturms auf dem Mittelberg bei Nebra. Die Treppen besitzen zur Mitte hin kein Geländer sondern nur ein Netz aus Drahtseilen. Nicht schlecht gemacht, aber einige Touristen kehrten nach der ersten Treppe wieder um. Im Aussichtsturm bei Nebra
Treppenhaus des Aussichtsturms auf dem Mittelberg bei Nebra Der Aussichtsturm bei Nebra

Vom Mittelberg bei Nebra aus gesehen geht die Sonne zum 1. Mai hinter dem  Kyffhäusergebirge unter. Damit soll der Zeitpunkt des Frühlingsfestes bestimmt worden sein. Zur Sommersonnenwende liegt der Punkt des Sonnenuntergangs am Brocken. Beides kann natürlich auch Zufall sein. Irgendwann geht die Sonne immer irgendwo unter. Kyffhäusergebirge vom Mittelbergturm bei Nebra gesehen
Das Kyffhäusergebirge
vom Mittelberg bei Nebra aus gesehen
 

Bemerkenswert an der Himmelsscheibe von Nebra ist nicht nur ihr Alter, sondern die Tatsache, dass sie zwei mal Veränderungen erfahren hat, die nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihre Funktion radikal änderten! Man vermutet, die Veränderungen wurden vorgenommen, da altes Wissen um die astronomische Funktion von Generation zu Generation verloren ging, weil nur wenige einzelne Menschen eingeweiht waren, was man mit der Scheibe machen kann. Die Veränderungen waren nicht etwa Fortschritte oder Verbesserungen, sondern eher Rückschritte. Die Himmelsscheibe von Nebra

  1. Ursprünglich waren die beiden Horizontbögen links und rechts nicht enthalten, ebenso die Sonnenbarke im unteren Teil. Ohne diese Teile ist nur schwer zu erkennen, welchen Sinn das Ganze haben soll. Sowohl im Dokumentationszentrum Arche Nebra am Fuß des Mittelbergs als auch im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle bekommt man die vermuteten Zusammenhänge multimedial erklärt:

    Ohne die Horizontbögen und die Sonnenbarke wurde die Himmelsscheibe offenbar benutzt, um den Kalender nach der sogenannten Plejaden-Schaltregel mit den astronomischen Gegebenheiten zu synchronisieren. Auf der Scheibe sehen wir das Siebengestirn, den Sternhaufen der Plejaden im Sternbild Stier, in einer bestimmten Stellung zum zunehmenden Mond mit einer bestimmten Dicke. Die Schaltregel lautete nun:
    "Wenn die Plejaden in dieser Stellung zum zunehmenden Mond stehen und dieser zu dem Zeitpunkt die abgebildete Dicke hat, ist in den Kalender ein Schaltmonat einzufügen."
    Dieser Schaltmonat glich die Verschiebung zwischen Kalenderjahr und Sonnenjahr aus, die dadurch entsteht, dass das Sonnenjahr ca. 365 Tage hat, während das Kalenderjahr (Mondjahr, Lunarjahr) nach 12 vollen Mondphasen mit je ca. 29,53 Tagen (synodischer Monat) nur ca. 354 Tage umfasst. Eine ähnliche Schaltregel, ebenfalls mit Hilfe der Plejaden, kannten auch die Assyrer in der sumerischen Kultur und Mythologie, festgehalten in den berühmten Mul-Mul-Apin-Texten, Keilschrifttafeln aus der Bronzezeit. Die Plejaden sind ein Sternhaufen, der aus über tausend Sternen besteht und nur rund 400 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt ist. Mit bloßem Auge sieht man davon meist nur um die sieben Sterne, deshalb Siebengestirn.

    Wir gleichen heute die Differenz mit unserem Gregorianischen Kalender dadurch aus, dass wir längere Monate haben, die nicht mehr mit den Mondphasen zusammenpassen. Trotzdem muss ab und zu ein Schaltjahr mit einem zusätzlichen Tag eingefügt werden, um unseren Kalender wieder dem Sonnenjahr anzupassen.
     
  2. Nachdem das Wissen um die Plejaden-Schaltregel entweder verloren ging oder vielleicht auch, weil der Sonnenkalender gegenüber dem Mondkalender an Bedeutung gewann, brachte man auf der Himmelsscheibe die beiden Horizontbögen links und rechts an. Ihre Funktion ist relativ einfach zu erkennen: Von einem bestimmten Punkt aus, zum Beispiel dem Mittelberg bei Nebra, zeigen sie den Winkel zur Sommersonnenwende und Wintersonnenwende. Dazu muss man nur den Punkt des Sonnenaufgangs und des Sonnenuntergangs anvisieren und dann zeigen die oberen und unteren Enden der Horizontbögen die Sonnenwenden an. Ähnlich bestimmte man wichtige Ereignisse im Kalenderjahr mit der viel älteren  Kreisgrabenanlage (Sonnenobservatorium) in Goseck zum Ende der Jungsteinzeit, als in der Neolithischen Revolution der Mensch vom Sammler und Jüger zu Ackerbau und Viehzucht wechselte.
     
  3. Während sich die beiden letzten Stadien der Himmelsscheibe auf beobachtete astronomische Tatsachen bezogen, brachte man in einem dritten Schritt im unteren Teil die Sonnenbarke an. Sie steht dazu im Gegensatz, weil sie erstmals eine mystische Komponente einfügt. Möglicherweise diente die Scheibe dann nur noch (oder auch) kultischen Zwecken.

    Das ist meiner Meinung nach Bezeichnend für eine Entwicklung, die schon in der Bronzezeit begann, die materielle, beobachtbare Fakten unterdrückte und hin zu einer priesterlichen Mystik und religiösen Dogmen führte, weg von den Naturreligionen hin zu »Macht euch die Erde untertan!« Sie gipfelte schließlich unter anderem in den Hexenverfolgungen des Mittelalters und wurde nur mühsam durch Humanismus und Aufklärung wieder zurückgedrängt, wirkt aber bis heute noch nach, im Islam genauso wie in den Kirchen. Mystik und Glaube wurden leider schon immer auch von Schamenen, Druiden, Imamen und Priestern missbraucht, um die Menschen zu beherrschen. Das hat nichts mit dem Glauben an einen  Gott oder die Existenz eines Gottes zu tun und schon gar nichts mit den Lehren Jesu, der nie beherrschen wollte. Es wird Zeit, dass wir wieder wegkommen von »Nur die Religion (und ihre Vertreter) können die Vergebung eurer Sünden bewirken.« Das dient nur dazu, die Menschen von der Religion abhängig zu machen. Oder von »Seid fruchtbar und mehret euch!« hin zu einer naturverträglichen Lebensweise und  Bevölkerungszahl.

Am Fuß des Mittelberges steht das Informationszentrum Arche Nebra mit seiner charakteristischen Architektur. In ihm wird die Geschichte der Himmelsscheibe, ihre Funktion und ihre Veränderungen ausführlich erklärt. Eisenzeitliche Wallanlage bei Nebra

Eisenzeitliche Wallanlage bei Nebra Lange nachdem um 1600 vor Christus die Himmelsscheibe am Mittelberg in aufrechter Stellung vergraben wurde, haben Menschen der Eisenzeit um das Jahr 700 vor Christus den Gipfelbereich mit einer Wallanlage gesichert. Der Ringwall wurde teilweise rekonstruiert.

Nach Norden schließt sich an den Mittelberg der Ziegelrodaer Forst an, in dem zahlreiche prähistorische Bodendenkmäler gefunden wurden, wie Wallburgen und Grabanlagen aus der Bronzezeit und der Jungsteinzeit.
Eisenzeitlicher Ringwall






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