Goseck

Kreisgrabenanlage als Sonnenobservatorium,
Schloss Goseck, Saaletal

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Lange Zeit bevor in England Stonehenge gebaut wurde, errichteten die Menschen in Mitteldeutschland vor fast 7000 Jahren die Kreisgrabenanlage Goseck. Sie stellt den weltweit ältesten archäologischen Nachweis für systematische Himmelsbeobachtungen dar. Selbst in Ägypten sollte erst gute 2000 Jahre später das Alte Reich anbrechen. Dort herrschte noch die sogenannte Prädynastische Zeit.

Leider werden in unserem feuchten mitteleuropäischen Klima die jahrtausendealten Artefakte nicht so gut konserviert wie im trockenen Wüstenklima Ägyptens. Deshalb hat man hier in Goseck das Sonnenobservatorium als Kreisgrabenanlage nach den Ergebnissen der archäologischen Ausgrabungen am Originalplatz rekonstruiert.
Goseck, Kreisgrabenanlage als Sonnenobservatorium

Die Anlage hat einen Durchmesser von 71 m. Steht man in der Mitte, geht die Sonne zur Wintersonnenwende genau am Tor im Südosten auf und am Tor im Südwesten unter. Die Sommersonnenwende wurde entsprechend durch kleine Lücken in den Palisadenreihen gekennzeichnet. Außerdem gibt es Markierungen zum 1. Mai, dem Tag des Frühlingsfestes.

Bei den Ausgrabungen wurden Menschenknochen und Rinderschädel gefunden, was auf eine Nutzung als Versammlungsort hindeutet, an dem möglicherweise auch religiöse Zeremonien und Rituale gefeiert wurden. Vielleicht wurden hier auch Menschen bestattet.
Sonnenobservatorium Goseck
Holzpalisaden der Kreisgrabenanlage Goseck Der nördliche Eingang zur Kreisgrabenanlage Goseck Kreisgrabenanlage als Sonnenobservatorium

Die Zeichnung unten zeigt einen Grundriss, der die Zusammenhänge in der Kreisgrabenanlage
bzw. dem Sonnenobservatorium illustriert, fotografiert von einer Info-Tafel
Zeichnung der Zusammenhänge in der Kreisgrabenanlage
Jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Sonnenobservatorien gibt es viele und einige beanspruchen für sich, das älteste zu sein. Sehr bekannt in diesem Zusammenhang ist das jungsteinzeitliche Hügelgrab Newgrange in  Irland, das auch die zwei Wochen um die Wintersonnenwende anzeigt, und natürlich Stonehenge in England. Sie bestehen aus Stein und sind jünger als die Kreisgrabenanlage Goseck, aber man kann sicher nicht ausschließen, dass die Steinmonumente am gleichen Ort Vorgängerbauten aus Holz hatten. Die Perfektion der Steinbauten lässt dies vermuten. Die Diskussion über das älteste Sonnenobservatorium ist daher sicher müßig.

Hexenringe, Feenringe In ringförmigen Veränderungen im Gras vermuteten wir auf den ersten Blick rituelle Feuerringe, Überbleibsel von Zeremonien des Neu-Heidentums oder Ähnliches. Bei näherem Hinsehen allerdings stellten sich die Phänomene als Pilzringe heraus. Da der Volksglaube in ihnen Versammlungsorte von  Hexen und Feen sah, bezeichnet man sie auch als Hexenringe oder Feenringe. Viele Pilzarten bilden diese kreisförmigen Anordnungen. Wer einen gleichförmigen Rasen als Ideal ansieht, den stören die Hexenringe und er bekämpft sie. Ich sehe in ihnen eine Bereicherung der Natur. Hexenring im Gras

Ähnlichkeit mit den Kreisgrabenanlagen in Europa haben auch manche der nordamerikanischen indianischen Mounds in den USA. Erdwallanlagen der Hopewell-Indianer bei Newark im Staat Ohio sollen ebenfalls zur Himmelsbeobachtung gedient haben, sind allerdings "nur" knapp 2000 Jahre alt und waren gleichzeitig Begräbnisstätten und Orte für mystische Kulte. Auch hier versuchte man, den Mondkalender und das Sonnenjahr in Einklang zu bringen. Mit einer achteckigen Anlage konnten die Indianer sogar die Kleine und die Große Mondwende feststellen, die jeweils alle 18,6 Jahre auftreten. Eine praktische Bedeutung haben die Mondwenden allerdings nicht. Weitere indianische Erdbauwerke, denen man Kalenderfunktion nachsagt, sind zum Beispiel der Great Serpent Mound der Adena-Indianer und das Sonnenobservatorium  Woodhenge der Cahokia-Indianer am Mississippi oder der Sonnenuntergangskalender am Eagle Mountain in Utah. Woodhenge in den USA



Schloss Goseck

Schloss Goseck Im Schloss Goseck Toranlage von Schloss Goseck
Burganlage, Klosteranlage und Rittergut, alles war das Schloss Goseck. Vor den heutigen Gebäuden stand hier eine Burg, die schon zwischen 881 und 899 als Schutzburg gegen die Slawen erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nach deren Abbruch Im Jahr 1041 richtete man ein Benediktinerkloster ein. Nach der Reformation und der Säkularisierung wandelte man es 1540 in ein Rittergut um. Bei der Bodenreform im Jahr 1945 wurde es enteignet und diente zunächst als Kornspeicher. Später beherbergte es die Jugendherberge Arthur Weisbrodt und diente als Schulgebäude. Erst zehn Jahre nach der Wiedervereinigung richtete man darin ein Europäisches Musik- und Kulturzentrum ein, eine Schloss-Schenke und später das Informationszentrum für das Sonnenobservatorium Goseck, die jungsteinzeitliche Kreisgrabenanlage. Bei unserem Besuch war leider alles geschlossen, auch das Info-Zentrum.

Die Schlosskapelle war vor der Reformation die Klosterkirche. Sie wurde ab 1997 restauriert und besitzt romanische Gewölbe und eine Krypta. Außerdem befinden sich in der Schlossanlage Goseck noch die Pöllnitz-Gruft und eine Turmkapelle, die jedoch beide nicht ohne Führung öffentlich zugänglich sind. Portal der Schlosskapelle Goseck
Schlosskapelle Goseck

Im Burghof steht ein schöner alter Ginko-Baum, auch Ginkgo-Baum. Der Ginko stammt ursprünglich aus China. Aus den Ginkgoblättern gewinnt man Extrakte zu Heilzwecken. Diese Nutzung, zum Beispiel zur Vorbeugung und Behandlung von Alters-Demenz, ist allerdings umstritten. Ginkgo-Baum, auch Ginko-Baum in der Schlossanlage Goseck
Ginkgo-Blatt, auch Ginko-Blatt

Wappen in der Schlossanlage Goseck Ein Wappenstein über einem Eingangstor der Burganlage Wappenstein

Die Saaleauen bei Goseck Südlich des Schlosses Goseck fällt die Hochfläche jäh ab ins Saaletal. Schöne Wanderwege führen an den Talhängen entlang und bieten einen eindrucksvollen Blick hinunter in die Saaleauen. Der Fluss hat hier auf seinem Weg von der  Saalequelle am  Berg Waldstein im  Fichtelgebirge in Oberfranken zur Elbe weiter im Norden eine abwechslungsreiche Landschaft geschaffen. Man kann zum Beispiel über den Igelsberg nach Lobitzsch wandern, oder über Eulau zum Naumburger Blütengrund. Das Saaletal bei Goseck






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