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Wellenbilder

»Also, da kommt einer im Hotel, also ins Hotel, mit der Werbung "Frühstück wie zuhause" und was passiert? Hahaha also, da kriegt er kalten Kaffee, verbrannten Toast, steinharte Butter, steinharte Eier, schimmelige Marmelade und dann kommt 'ne Frau mit so mit'm wattiertem Morgenmantel an, Lockenwickler im Haar und Hahaha 'ner Zigarette schräg im Mundwinkel, richtig verschmiert mit Lippenstift Hahaha und nörgelt an ihn herum.«

»Na toll!«

Erwin lies seinen Hafenschlepper eine leichte Kurve fahren.

Otto tat es ihm nach, er fuhr etwas schneller bis er Erwins Modellschiff eingeholt hatte.

»Schönes Wellenbild!«

»Mmmm.«

»Wie weit bist du mit deinem Liberty-Schiff?«

»Fast fertig!« Erwin ließ seinen Hafenschlepper an den Pier fahren, hob ihn aus dem Wasser und stellte den Motor und die Fernbedienung aus.

»Weißt du, das sieht mir alles zu clean aus, zu neu . keine Figuren nichts.«

»Wieso? Ist doch schön!«

»Ja, findest du? Ich nicht! - Weißt du, die Liberty-Schiffe galten nach nur einer Fahrt als abgeschrieben; - und fahren teilweise heute noch!«

»Sag bloß.«

»Nicht wie du jetzt denkst, schön aufgemotzt! Nein, nein, mit soner alten Unterhose als Fahne. Die fahren unter der Flagge von Suriname oder so. Da ist natürlich überall Rost! An den Ankerklüsen läuft's runter.«

»Wie willst du das machen?«

»Mit Rostfarbe, 'n bisschen schwarz natürlich, und Mehl! Soll ja ein bisschen erhaben sein. Und die Figuren . also, der Kapitän ganz in weiß und der Rest der Mannschaft in zerschlissenen Jeans, schmuddeligen Unterhemden . na, du weißt schon.«

»Klar. - Aber einen habbich noch: Also, da ist son Mafia-Boss und der will sich scheiden lassen! Und er kontaktiert seinen Anwalt und der sagt: "Also über eins musst du dir klar sein: Es geht alles durch 2! Dein Haus, deine Yacht, deine Autos . alles!"«

»Was«, sagt der Mafia-Boss, »es geht alles durch 2?«

»Ja, das geht alles durch 2!«

»Okay;« sagt der Mafia-Boss, »Da lass ich sie doch mal eben für 10.000 Dollar umlegen. Hahaha!«

»Hahaha! . Komm, lass uns reingehen, es fängt an zu regnen!«

Sie trockneten ihre Modelle sorgsam ab und gingen ins Clubhaus.

»Einen habe ich noch.«

»Bitte, Otto, keine Witze mehr!«

Erwin stellte sein Modell auf den Tisch, und ging die anderen begrüßen, Karl, Wolfgang und Ditmar.

»Hallo. - Magst auch ein Bier?«

»Klar!«

Es kam noch einer.

»Sauwetter draußen.«

»Magst 'n Bier?«

»Klar.«

Sie schwiegen eine Weile.

»Wie geht's denn unserem frisch gebackenen Rentner«, nahm Ditmar den Gesprächsfaden wieder auf.

»Wunderbar!« Erwin nahm einen großen Schluck Bier, »weißt du, bei der Recherche zu meinem Liberty-Schiff, bin ich auf eine interessante Sache gestoßen.«

»Erzähl!«

»Ja, also die USS Liberty war formal ein Aufklärungsschiff der United States Navy, das jedoch tatsächlich unter dem Kommando des international operierenden US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) stand. Es diente der elektronischen Kampfführung und der militärischen Aufklärung. Die zu ihrer Zeit hochmoderne Liberty glich äußerlich weitgehend einem Frachtschiff, wies jedoch mehrere sichtbare Radarkuppeln und sonstige Antennen auf.«

Erwin nahm noch einen großen Schluck Bier und erzählte weiter, während die anderen zu dem Tisch kamen und interessiert lauschten:

»Besonderes Aufsehen erregte ein Angriff auf das Schiff durch israelische Bomber und Schnellboote während des Sechstagekrieges, dessen Hintergründe nie geklärt wurden. Die offiziellen Erklärungen von amerikanischer und israelischer Seite, die von einem Irrtum sprechen, sind jedoch bereits unmittelbar nach dem Vorfall und bis heute vielfach bezweifelt worden, man geht überwiegend davon aus, dass Israel klar war, dass es sich um ein amerikanisches Schiff handelte.«

Erwin trank einen Schluck Bier und fuhr fort:

»Zu den möglichen Motiven der Israelis gibt unterschiedliche Annahmen, etwa dass amerikanische Abhöraktionen verhindert werden sollten oder arabische Staaten verantwortlich gemacht werden sollten, um so den USA einen Vorwand für den Kriegseintritt zu bieten.«

Sie tranken alle einen großen Schluck Bier.

»Einen hab' ich noch«, sagte Otto.

»Ruhe! - Sag mal, Erwin, hat denn der Geheimdienst nichts gemacht?«

»Ach, der Geheimdienst! Nee, nee. Für die amerikanische Besatzung begann - und endete vorläufig - das Nachspiel des höllischen Erlebnisses. Sie wurden von Konteradmiral Isaac Kidd einzeln genau nach dem Hergang ausgefragt, wobei er darauf bestand, die ganze Wahrheit zu hören. Er unterstrich dies mit der Geste, seine Rangabzeichen vor dem Gespräch abzunehmen.«

Erwin hob sein Glas, blickte in die Runde, trank einen Schluck und fuhr fort:

»Nachdem alles gesagt war, heftete er sie ebenso theatralisch wieder an und erklärte: "Jetzt spreche ich in offizieller Eigenschaft; Sie werden niemals, ich wiederhole, niemals - über diese Sache mit irgend jemand sprechen, auch nicht mit Ihrer Ehefrau. Wer es doch tun sollte, wird vors Militärgericht gestellt und wird den Rest seines Lebens im Gefängnis zubringen - oder ein schlimmeres Ende finden."«

»Jahrelang wagte keiner den Mund aufzumachen.«

Sie tranken alle einen großen Schluck Bier, bis Erwin sagte:

»Ich werde dieser Sache mal nachgehen.«

»Ach, Erwin, der Sechstagekrieg ist doch schon lange zuende. 1967 oder so! Wen interessiert das denn noch?«

»Mich! Aber ist egal. - Ich baue jedenfalls an meinem Liberty-Schiff! So mit Rost und so. An den Ankerklüsen und so die Reling entlang läuft's schon runter. Das Schanzkleid kriege ich auch noch hin. Eine Luke ist so'n bisschen offen, man kann die Ladung sehen, alte Autos, ich baue im HO-Maßstab, das kriege ich hin.«

Erwin erzählte, von seinem Liberty-Schiff und der USS Liberty, und sie hörten alle zu, während draußen der Regen rauschte.

Der Regen hatte aufgehört, und Erwin ging nach Hause. Eigentlich ein schönes Haus, mit einem Garten und einer Garage, die einen Mercedes beinhaltete. Eigentlich brauchte er den Mercedes nicht mehr, jetzt wo er Rentner war, aber was soll's, er war nun mal da.

Seine Frau schlief schon, sie schlief eigentlich immer, oder sah Fernsehen, oder machte ihm Vorhaltungen, dass er doch eigentlich eine Stufe weiter auf der Beamtenleiter hätte heraufklettern können, wenn nicht sogar zwei, aber nein, er musste ja dem Dienststellenleiter...

Erwin konnte es nicht mehr hören, er zog sich leise aus und ging auch ins Bett.

Am nächsten Morgen überlegte Erwin, den Tisch und zwei Stühle raus zu bringen, ließ es dann aber sein, weil der Nachbar schon fertig war mit Frühstücken, und einen Handwerker beauftragt hatte, die Löcher für eine neue Markise anzubringen.

Naja.

Erwin begann den Tisch zu decken. Die Butter war im Kühlschrank, steinhart. Die Kaffeemaschine noch voll Kaffee, warum hatte seine Frau gestern Abend noch Kaffee gekocht? Machte sie doch sonst nicht!

Egal.

Er setzte Eier auf, schob den Toast in den Toaster und stellte die Marmelade auf den Tisch. Käse, Wurst? Fehlanzeige.

"Naja, ich gehe nachher mal einkaufen", dachte Erwin, "jetzt, wo ich Rentner bin".

In diesem Moment erschien seine Frau. Sie trug den von Erwin so gehassten wattierten Morgenmantel, und Lockenwickler im Haar.

»Hast du hier mal eben das Feuerzeug gesehen? Ach, da isses ja!«

Blam, machte das Feuerzeug, »Aaaah«, die Frau, und sie hängte sich die Zigarette in den Mundwinkel. »Meinst du nicht, dass es hier irgendwie verbrannt riecht?«

Ach Herrje der Toast.

»Warum hast du denn den Regler ganz nach rechts gedreht?«

»Weis nicht. - Warum hast du denn nicht wenigstens eine Gehaltsstufe höher kommen können? Wenn ich dass Frau Meier-Kirchner erzähle, tippt die sich doch an die Stirn! Noch nicht mal Toast kann der Mann zubereiten.«

Erwin wollte etwas sagen, doch er sagte nix. Er stellte die Tassen und Teller auf den Tisch und wollte den Kaffee weggießen.

»Nix da«, sagte seine Frau, »den kannst du doch noch trinken! Wer so eine kleine Rente hat, der muss auch mal kalten Kaffee trinken! Frau Meier-Kirchner ihr Mann hat auch eine größere Rente und warum? Weil er darauf hin gearbeitet hat! Und du? Was hast du?«

Erwin wollte was sagen, aber der Eierkocher meldete sich.

Erwin schreckte die Eier ab, seine Frau köpfte gleich eins.

»Natürlich hart! Total hart! Steinhart! Noch nicht mal Eier kann der Mann kochen!«

»Warum hast du den Regler ganz nach Rechts gedreht? Lass ihn bitte auf Mitte stehen.«

»Ach, was du immer hast! Du hättest man lieber auf deine Rente achten sollen! Aber nein, hat er nicht, der Mann!«

Die Frau aschte in die Untertasse und fuhr fort, gnadenlos und unbarmherzig.

Die Marmelade war natürlich schimmelig, dabei hatte er sie erst am Montag gekauft. Erwin konnte Reste von Butter an ihr ausmachen, egal, Erwin setzte sich. Seine Frau nörgelte.

Erwin schaltete auf Durchzug, warum musste sie auch den wattierten Morgenmantel anziehen, warum nicht den hübschen Kimono und vorn offen. Gewiss, sie hatte Brüste, die zu Boden schauten, aber trotzdem, in ihrem Alter, naja, es könnte auch mehr Sex sein, jetzt, wo er in Rente war, nicht mehr ausgelaugt nach Hause kam. Es war schließlich ein gutes Stück Weg von Darenwede in die große Stadt, in der er arbeitete. So bekam er nicht mit, dass seine Frau versprochen hatte, dass er Frau Meier-Kirchner den Rasen mähen wollte, jetzt, wo er Rentner war und Zeit hatte, viel Zeit.

Irgendwann merkte Erwin auf.

»Was soll ich?«

»Frau Meier-Kirchner den Rasen mähen. Jetzt, wo du Rentner bist und viel Zeit hast. Ich weiß gar nicht, wie ich dich beschäftigen soll.«

»Was?«

»Du sollst Frau Meier-Kirchner den Rasen mähen. Das tut dir auch mal ganz gut, 'n bisschen Bewegung an der frischen Luft, deine Wampe ist sowieso zu fett. Jeder Gang macht schlank!«

»Moment mal, ich soll dieser Frau von Dingenskirchen den Rasen mähen? Spinnst du?«

»Meier-Kirchner! Ich hab's ihr versprochen. Ist doch schnell gemacht. Außerdem ist es ganz gut, wenn wir in der Nachbarschaft Freunde haben.«

»Ja dann kannst du deine Frau von Dingenskirchen ja mal zum Grillen einladen. Aber Rasen mähen? Ohne mich! - Außerdem geht es jetzt um meine Lebensqualität! Diese beinhaltet, dass ich nicht für fremde Leute den Rasen mähe.«

»Meier-Kirchner! Frau Meier-Kirchner! Du kriegst aber auch alles durcheinander. Kann es sein. Das Alzheimer hast?«

»Nein, aber bin ich etwa ein Gaul, der bewegt werden muss?«

Sie kamen ein wenig vom Thema ab, stritten sich über Alzheimer, über Frau von Dingenskirchen, deren Gärtner nicht gekommen war, weil er krank ist und überhaupt zu teuer, und Herr Meier-Kirchner hat es ja so mit der Bandscheibe - aber er hat eine bessere Rente! Warum hatte er nicht auch eine derart hohe Rente?

Erwin holte tief Luft und gab auf. Er gab einfach auf. Hände hoch, kapitulieren.

»Es ist gut, ich mach's! - Aber nur einmal. Hörst du? Nur ein einziges Mal!«

»Ja, ja. - Hab' ich's doch gewusst.«

Sie raffte den Bademantel zusammen und drückte ihre Zigarette aus.

»So kannst du aber nicht zu Frau Meier-Kirchner gehen. Sieh dich doch mal an wie du aussiehst! Unmöglich. Da muss man sich ja schämen.«

»Ist ja gut. Wie hättest du's denn gerne? Im Frack? - Trägt man die Frackschöße eigentlich in der Hose oder außen?«

»Natürlich außen! Weißt du das nicht? Musst du doch wissen. Im Frack den Rasen mähen! Spinnst du? Außerdem haben wir gar keinen Frack. - Ich such dir was raus, du hast ja genug alte Klamotten. Naja, wenn du eine höhere Rente gekriegt hättest, könntest du dir auch einen ordentlichen Anzug leisten. Noch nicht mal anziehen kann sich der Mann! Bei allem muss man dir helfen. - Im Frack den Rasen mähen! Du bist wohl nicht mehr ganz dicht in der Birne!«

Es ging so weiter, und weiter. Und dann rief sie erstmal ihre Schwester an, und verknuckfiedelte der die ganze Geschichte, und die war ständig ihrer Meinung, und im Frack den Rasen mähen ging überhaupt nicht.

Dann musste Frau Meyer-Kirchner noch angerufen werden, dass es etwas später wird, und dann dauerte es nochmal etwa eine Stunde bis sie angezogen war, und eine halbe Stunde bis sie die Sachen für Erwin raus gelegt hatte, fünf Minuten bis er sie angezogen hatte, nochmal eine Stunde um sich umzuziehen und zu schminken.

»Wieso, niemand hetzt uns, du hast ja jetzt viel Zeit!« sagte sie, als Erwin, der die ganze Zeit gewartet hatte, mal ganz unverbindlich anfragte, wie lange es denn wohl noch so in etwa dauern würde.

Und dann dauerte es noch etwa eine Stunde, bis die Betten gemacht waren und das Frühstücksgeschirr im Spüler war, »du könntest mir auch mal helfen, aber nein, alles muss man selber machen!«

»Du hättest ja nur einen Ton sagen brauchen.«

Es dauerte nochmal eine halbe Stunde, bis ausdiskutiert war, ob der Geschirrspüler aktiviert werden musste oder nicht, Frau Meier-Kirchner musste nochmal angerufen werden, dass es später wird, aber nun kämen sie wirklich, ihr Mann hatte ja so rumgetrödelt, und dann wurden erstmal die Blumen gegossen, die Frau musste sich nochmal andere Schuhe anziehen und dann ging es tatsächlich los.

Erwin stellte die Frage, ob man mit dem Auto fahren musste oder nicht, weil es sich seiner Kenntnis entzog, wo Frau Meier-Kirchner denn wohnte.

»Die wohnt doch nur 'n paar Häuser weiter! Und da willst du mit dem Auto fahren? Außerdem hättest du das Auto ruhig mal waschen können, jetzt, wo du in Rente bist und viel Zeit hast. Aber nein, du hängst ja lieber bei deinen Bastelfreunden rum. Solltest lieber Mal den eigenen Rasen mähen, der sieht ja aus wie Sau, aber nein, Frau Meier-Kirchner hier, Frau Meier-Kirchner da. Sollte mich nicht wundern, wenn du was mit ihr hast, aber ich passe schon auf! - Ach Herrjeh, jetzt habe ich meine Handtasche vergessen. Ist ja auch kein Wunder, wenn du immer so rumtrödelst.«

Erwin war sich zwar keiner Schuld bewusst, aber er ging noch mal mit zurück, die Handtasche holen. Die fand sich - eine halbe Stunde später - auf dem Klo wieder an, aber nun ging es wirklich los, wirklich und wahrhaftig!

Es waren tatsächlich nur ein paar Schritte, und Erwin fragte sich, warum er die Meier-Kirchners nicht schon längst kennen gelernt hatte, aber egal, er hatte auf die Anweisungen zu achten, die seine Frau gab, wie zum Beispiel die Füße abtreten wenn er aus dem Garten ins Haus ging, aber das sollte er man besser lassen, am besten den Rasen mähen und wieder abhauen, Frau Meier-Kirchner litt unter Migräne, und er sollte am besten ganz leise mähen.

Erwin fragte sich, wie man leise mäht, aber das war egal, denn sie waren angekommen und seine Frau und Frau Meier-Kirchner gaben sich ein Bussi links und ein Bussi rechts und unterhielten sich über das Wetter, »es ist schrecklich warm, wir sollten lieber auf die Terrasse gehen«, was sie auch taten und Herr Meier-Kirchner erhob sich aus einem Liegestuhl und das Ganze ging von vorne los.

Es wurde ein Tischchen herbeigeholt »Erwin, hilf doch mal mit, Herr Meier-Kirchner hat es mit der Bandscheibe«, und ein Stühlchen, und ein Orangensaft und ein Likörchen, und dann musste des Sonnenschirm noch ein wenig verstellt werden »Erwin, hilf doch mal mit, Herr Meier-Kirchner hat es mit der Bandscheibe« und dann konnte es tatsächlich losgehen mit dem Rasenmähen.

Frau Meier-Kirchner ging mit Erwin in die Garage, während Herr Meier-Kirchner Erwins Frau schon mal einen Orangensaft einschenkte und ihr den Platz auf dem Stühlchen anbot. In der Garage suchte und fand Frau Meier-Kirchner einen alten Handmäher, während Erwin schon den Elektromäher in der Hand hatte.

»Nein, das geht nicht. Mein Mann ist letztens über die Schnur gefahren. Sie können sich da einen Schlag holen!«

»Och, da setzen wir die Schnur ein Bisschen nach, das geht schon.«

»Das muss ein Elektriker machen! Sind sie Elektriker?«

»Nein, aber.«

»Na sehen sie! Besser sie nehmen den Handmäher. Müsste allerdings ein wenig geölt werden. Öl ist da irgendwo im Regal. Mein Mann liebt es ordentlich, ach da ist es ja. - So, sie kommen klar? Ich muss mich jetzt um ihre Frau kümmern.«

Weg war sie.

Erwin ölte den Rasenmäher und mähte während seine Frau und Frau Meier-Kirchner Likör süffelten und hin und wieder gute Ratschläge gaben und Herr Meier-Kirchner sich an Bourbon-Cola hielt.

Erwin mähte, nicht weil es ihm Spaß machte, Reihe um Reihe zu mähen, sondern weil ihm eine grandiose Idee gekommen war an der noch etwas zu feilen war; - er wollte ein Buch schreiben über die Sache mit der Liberty, und das sollte Rückkehr nach Kreta heißen, oder noch besser Rückkehr nach Karthago.

Die Liberty wurde nach dem Angriff der Israelis zwar nach Kreta geschleppt, aber Karthago wäre schöner, durch die Römer ist diese Stadt schon mal zerstört worden, die gleiche Situation wie durch die Israelis.

Es widerholte sich alles, nur das es diesmal ein Schiff war!

Irgendetwas war da, er würde es recherchieren.

Erwin mähte, Reihe um Reihe, die Damen tranken, Likörchen um Likörchen, Herr Meier-Kirchner auch, Bourbon-Cola um Bourbon-Cola.

Als Erwin fertig war mit mähen, wollte er ein Bier haben, einfach ein Bier aber seine Frau meinte, dass es nicht gut sei, ein Bier enthielte zu viele Hefepilze und die würden nur dick machen, und er sei ohnehin schon zu dick.

Frau Meier-Kirchner ging inspizieren und fand natürlich hier noch ein Hälmchen, welches Erwin nicht erwischt hatte und dort noch ein Büschelchen Gras, welches sich unter dem Spitzdorn versteckt hatte. Aber das schlimmste war, wie kriegte man das Zeugs weg?

Fünf blaue Säcke voll!

Der Gärtner hatte das immer mitgenommen, aber der war jetzt nicht da, und Herr Meier-Kirchner wollte das Dreckszeug nicht in seinem Auto haben und zum Recycling-Hof bringen. Das gehörte doch wohl dazu, zum Rasenmähen!

Das sah Erwin anders, man könnte das Zeugs doch hinter die Garage stellen, bis es der Gärtner beim nächsten mal mitnimmt.

Das ging gar nicht!

»Unmöglich!« Frau Meier-Kirchner war Erwin einen bitterbösen Blick zu.

Erwins Frau ergriff die Partei der Meier-Kirchners und war der Ansicht, dass Erwin ruhig sein Auto holen könnte, da er schon so schlecht gemäht hatte, und das Auto sowieso gewaschen werden müsse. Natürlich würde ihr Mann gerne mal eben zum Recycling - Hof fahren, gar keine Frage.

Erwin gab wieder auf, er kapitulierte nicht, er resignierte.

Er holte sein Auto und fuhr bei den Meier-Kirchners in der Erwartung vor, den Krams und seine Frau mal eben einzuladen und zur Müllkippe zu bringen, aber seine Frau hatte schon die alte Marquise mit dazu gestellt, weil es Herr Meier-Kirchner ja mit der Bandscheibe hat, und Frau Meier-Kirchner sich hinlegen musste, wegen eines Migräneanfalls und es würde ihm doch nichts ausmachen, die alte Marquise mal eben mitzunehmen.

Die blauen Säcke waren schnell im Kofferraum verstaut, aber die Marquise machte Schwierigkeiten weil zu lang.

»Da müssen sie den Beifahrersitz umlegen«, meinte Herr Meier-Kirchner vom Liegestuhl aus, »dann wird's schon gehen.«

Es ging tatsächlich auf diese Art, zwar ganz knapp, aber es ging.

»Pass doch auf!« murrte Erwins Frau, »du machst ja die Bezüge ganz schmutzig! Da setz' ich mich nicht mehr drauf! Kannst du nicht aufpassen? - Und wo soll ich jetzt sitzen?«

Erwin zuckte die Achseln. Ihm war alles egal, er wollte nur nach Hause, ein Bier trinken, in seinen Keller gehen und sein Liberty-Schiff weiter bauen. Oder ein bisschen recherchieren, über Karthago.

Überhaupt hatte "Rückkehr nach Karthago" etwas theatralisches, jedenfalls theatralischer als "Rückkehr nach Kreta".

Erwin überlegte, einen Roman zu schreiben, aber er verplemperte seine Zeit mit Rasenmähen und Müll wegbringen!

Irgendein Römer hatte das gesagt, Erwin startete ohne sich von Herrn Meier-Kirchner zu verabschieden.

"Ceterum censeo Meier-Kirchnerum esse delendam", dachte Erwin und war wieder vergnügt, weil er gleich in seinen Hobbykeller gehen, ein Bier trinken, an seinem Liberty-Schiff weiter bauen und gedanklich seinen Roman vorbereiten konnte.

Aber nichts dergleichen.

Der Recycling-Hof hatte zu, seit fünf Minuten und ein Mitarbeiter meinte:

»Da müssen sie Morgen wiederkommen, aber die Marquise nehmen wir sowieso nicht, der Sperrmüll auch nicht.«

»Und wie werde ich das Zeugs los«

»Weiß ich doch nicht!«

Sprach's, setzte seinen Helm auf, zog seinen Anorak glatt und knatterte mit seinem Moped von dannen.

Was half's?

Nichts half's!

Erwin ging erstmal einen Döner essen, einen richtig schönen Döner, weil ihm der Magen krachte. Seine Frau hätte sicherlich rumgezickt, von wegen Dönerbude und keine eingedeckten Tische, aber egal. Er hatte noch die Arbeitsklamotten an und mit seiner Frau essen zu gehen, bedeutete zwei Stunden umziehen, eine Stunde Restaurant suchen, welches ihr zusagte, und noch mal eine halbe Stunde, bis sie sich entschieden hatte, und das Auto leer machen, um es am nächsten Morgen wieder zu beladen, und dann wurde auch nichts mehr mit dem Liberty-Schiff.

Es war ein richtig schöner Döner, aber seine Frau war ein ganz klein wenig ungehalten, weil Erwin 1. Die Marquise wider mit gebracht hatte und 2. die blauen Säcke. Herr Meier-Kirchner wollte die wieder haben, und zwar sauber! Weil die einen gewissen Wert darstellen, nämlich 5 Euro und überhaupt, warum hatte er auch so lange rumgetrödelt, und dass der Recycling-Hof die Marquise nicht haben wollte, konnte sie sich gar nicht vorstellen.

»Ich versuche es morgen nochmal bei der Hauptstelle«, meinte Erwin, und er gedachte auch den ganzen Kram im Auto zu lassen, und wenn die Leute von der Hauptstelle die Scheißmarquise auch nicht haben wollen, dann kriegt Herr Meier-Kirchner die zurück und kann sich die sonst wohin stecken, einschließlich der blauen Säcke!

Erwin drehte sich um und ging Richtung Hobby-Keller, seine Frau folgte ihm und gab noch ein paar gute Ratschläge, von wegen einen Beschwerdebrief aufsetzen.

»Ach, du meinst ich soll den aufsetzen! Und dann warten wir ein, zwei Wochen auf Antwort; - wenn diese überhaupt kommt. Was machen wir solange mit der Scheißmarquise?«

»Ja, äm, äh«, machte seine Frau und war der Ansicht, dass das Erwins Problem sei, und Herrn Meier-Kirchner das Ding zurück bringen ging auf gar keinen Fall, dann wären sie nämlich in der Nachbarschaft unten durch. Es ging so weiter und Erwin schaltete auf Durchzug . und prallte zurück.

Er hatte vergessen seinen Hobby-Keller abzuschließen, was seine Frau umgehend wahrgenommen hatte. Auf der Arbeitsplatte lag eine hübsche Tischdecke und in dem kleinen Kühlschrank fehlte das Bier; - stattdessen war er voll Jogurt, in Halbfettstufe!

Seine Frau erwartete Begeisterung.

Aber das Schlimmste war, dass sein Liberty-Schiff im Mülleimer lag, zerbrochen in kleine Stücke.

Erwin drehte sich um, kalkweiß in Gesicht.

»Wie konntest du nur.?«

»Ach, das sollte so sein? Das hab ich nicht gewusst! Da ist ja überall Dreck dran. Bau doch mal ein schönes Schiff, die Queen Mary zum Beispiel, du hast ja jetzt Zeit, da brauchst du auch nicht diesen Dreck draufschmieren, das ist ja furchtbar.«

Erwin sagte nichts, er dachte darüber nach, wie ein Mafia-Killer zu kontaktieren sei.


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